Multiple Sklerose: eine Krankheit, die man oft nicht sieht

Ein gebrochener Arm, eine laufende Nase, starker Husten: Die Sichtbarkeit von Einschränkungen erleichtert Betroffenen oft den Umgang mit belastenden Auswirkungen, weil sie sie nicht erklären müssen. Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind, kennen solche unangenehmen Erklärungsnöte hingegen sehr gut. Multiple Sklerose ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Je nachdem, welche Nervenbahnen betroffen sind und welche Ausmaße die Entzündungen annehmen, können unterschiedliche Symptome die Folge sein. Laut aktuellen Erhebungen des deutschen MS-Registers zählen u.a. diese Symptome in Baden-Württemberg zu den häufigsten bei der MS: Mobilitätseinschränkungen (45 %), Fatigue (MS-bedingte abnorme Erschöpfbarkeit, 44 %), Sensibilitätsstörungen (41 %), Gleichgewichtsstörungen (39 %) oder Blasenfunktionsstörungen (33 %). Alle Daten stellt die AMSEL-Broschüre „MS in Baden-Württemberg“ vor, die unter www.amsel.de/shop bestellt werden kann. Mehr als die Hälfte der Symptome ist demnach nicht (für einen Außenstehenden) sichtbar.
Auch Depressionen, Schmerzen oder Kognitionsprobleme gehören zu den unsichtbaren Symptomen der MS. Ähnliche Beschwerden kennen auch gesunde Menschen mit Niedergeschlagenheit, Schmerzen, Konzentrationsstörungen und Müdigkeit. Für MS-Betroffene ist es dadurch noch schwieriger zu vermitteln, dass ihre krankheitsbedingten Symptome nicht aber mit den Erfahrungen der meisten anderen Menschen vergleichbar sind. Es ist schwer, einem gesunden Menschen zu erklären, dass chronische Kognitionsprobleme keine Konzentrationsschwierigkeiten sind, die vielleicht nach einer Tasse Kaffee wieder verschwinden. Deswegen ist auch ein öffentliches Bewusstsein für die Unsichtbarkeit vieler MS-Symptome ein zentrales Anliegen der AMSEL.
Fatigue: das häufigste unsichtbare Symptom der MS
Auch die Fatigue erscheint zunächst als etwas, das jeder Mensch vermeintlich kennt: Müdigkeit und Erschöpfung. Anders als bei normaler Erschöpfung ist es bei MS mit ausreichend Schlaf und ein bisschen Ruhe aber nicht getan. Die MS-bedingte Fatigue ist das häufigste unsichtbare Symptom der MS, das sich sowohl auf die körperliche als auch geistige Leistungsfähigkeit auswirken kann. Bei MS-Erkrankten ist sie eine wesentliche Ursache für vorzeitige Erwerbsunfähigkeit oder Teilverrentung. Fatigue betrifft mindestens jeden zweiten MS-Betroffenen. Sie bleibt aber nicht nur für viele Außenstehende unsichtbar, sondern oftmals auch unbehandelt, nach den Daten des deutschen MS-Registers bei über 63% der Betroffenen. Für Außenstehende ist Fatigue auch deswegen so schwer zu greifen, weil Betroffene an manchen Tagen scheinbar ganz normal ihrem Alltag nachgehen können und an anderen Tagen nicht.
Betroffene können jedoch einiges tun, um der abnormen MS-bedingten Erschöpfung entgegenzuwirken: vor allem nicht-medikamentöse Maßnahmen wie effektives Energie-Selbstmanagement (Energietagebuch, Pausen), körperliches Training (Kraft- und Ausdauersport), Achtsamkeitsübungen oder Entspannungsverfahren.
Zum Umgang mit Fatigue und anderen unsichtbaren und sichtbaren Symptomen der MS informiert AMSEL e.V. seit 1974 umfassend und unabhängig, und unterstützt MS-Erkrankte in allen Lebensphasen. Jederzeit aktuelle Informationen rund um die MS gibt es auf www.amsel.de.
AMSEL – wer ist das?
Die AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V. ist Fachverband, Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für MS-Kranke in Baden-Württemberg. Die Ziele der AMSEL: MS-Kranke informieren und ihre Lebenssituation nachhaltig verbessern. Der AMSEL-Landesverband hat rund 7.200 Mitglieder, über 60 AMSEL-Gruppen und 15 Junge Initiativen in ganz Baden-Württemberg. Mehr unter www.amsel.de
Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems. Aus bislang noch unbekannter Ursache werden die Schutzhüllen der Nervenbahnen an unterschiedlichen Stellen angegriffen und zerstört, Nervensignale können in der Folge nur noch verzögert oder gar nicht weitergeleitet werden. Die Symptome reichen von Taubheitsgefühlen über Seh-, Koordinations- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Lähmungen. Die bislang unheilbare, aber mittlerweile behandelbare Krankheit bricht gehäuft zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr aus.
MS in Zahlen
38.000 MS-Kranke in Baden-Württemberg
3,4 MS-Kranke pro 1.000 Einwohner in Baden-Württemberg
2.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Baden-Württemberg
5 – 6 Diagnosen täglich in Baden-Württemberg
280.000 MS-Kranke deutschlandweit
1,2 Mio. MS-Kranke europaweit
2,9 Mio. MS-Kranke weltweit
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